Stadtgespräch über die Ökumene in Hochdahl

Im 34.Stadtgespräch, das am 18.11.2000 zu diesem Thema stattfand, wurde deutlich, welch intensive ökumenische Zusammenarbeit in der Praxis der Hochdahler Gemeinden selbstverständlich ist. Gleichzeitig zeigte sich jedoch auch ‑ dies vor allem in Anfragen aus dem Publikum ‑, daß das Ziel einer vollen Abendmahlsgemeinschaft nicht aufgegeben werden darf und zumindest in vorläufigen Formen ökumenischer Gottesdienste anzustreben ist.

In den einführenden Stellungnahmen der Podiumsteilnehmer konnte die vielfältige ökumenische Arbeit (Christine Buyken) vorgestellt werden, ebenso wurden Probleme und Chancen konfessionsverschiedener Ehen beleuchtet (Ulrike Herwald). Bernd Staßen umriß in seinem Statement die eigene Vorstellung zum ökumenischen Leben der christlichen Gemeinde: die miteinander befreundeten und sympathisierenden christlichen Gemeinden sollten weiterexistieren, die gegenseitig bereichernde Vielfalt gewahrt und von dem allen gemeinsamen Geist

Jesu getragen werden. Auch Lutz Martini bewertete die Verschiedenheit der Gemeinden positiv: sie ermögliche Bereicherung und ein fruchtbares Sich‑Aneinander‑Reiben. Kritisch vermerkte er, daß gemeinsames spirituelles Leben sowie das Feiern gemeinsamer Gottesdienste noch zu wenig verwirklicht seien. Horst Löber bejahte ebenfalls ausdrücklich die Unterschiedlichkeit der christlichen Gemeinden und betonte die Notwendigkeit einer ökumenischen Arbeit „in Kopf und Herz“.

Im anschließenden Gespräch wurden vor allem drei Aspekte eingehender erörtert, wobei es zu einer (nur) partiellen Annäherung der Standpunkte kam.

Zum einen wurde deutlich, daß es vielen Christen schwerfällt, in der Pluralität der Gemeinden eine wirkliche, auch emotionale, Heimat für den eigenen Glaubensvollzug zu finden. Dieses Problem verstärkt sich in konfessionsverschiedenen Ehen und erschwert die Beheimatung der Kinder in verschiedenen Gemeinden. Es stellt darüber hinaus auch Glaubwürdigkeit der Christen nach außen grundsätzlich in Frage.

Zum anderen wurde kritisch festgestellt, daß bei aller Vielfalt ökumenischer Ansätze an der Basis gegenüber den Amtskirchen nicht deutlich genug „Standpunkt bezogen werde und Forderungen nach weitergehen der theologischer Gemeinsamkeit auch in Hochdahl nicht artikuliert würden: eine Kritik, die ‑ vor allem mit dem Hinweis auf das „Geschenk“ der praktisch gelebten Einheit deutlich kontrovers diskutiert wurde.

Dritter Gesprächsaspekt: der ausdrücklich Wunsch mehrerer Zuhörer, die Feier ökumenischer Gottesdienste als gemeinsames Lob Gottes verstärkt zu begehen und deren Stellung im Gemeindeleben deutlicher zu institutionalisieren: ein Vorschlag, auf den die ev. und kath. Gemeindeleitung unterschiedlich reagierten. Horst Löber plädierte sogar für einen ökumenischen Gottesdienst auf dem Hochdahler Markt. Der Wunsch nach solchen Gottesdiensten wurde vor allem damit begründet, da Ökumene sich hier in besonderer Weise verwirkliche, dabei das Ziel einer vollen Abendsmahlsgemeinschaft deutlich bleibe und nach außen hin auch fernstehende, konfessionell uninteressierte Christen ansprechbar seien.

Insgesamt zeigte die Veranstaltung keine fertigen Lösungen und Ergebnisse, dafür aber ‑ dies durchaus im Sinne der Zielsetzung der Stadtgespräche ‑ eine fruchtbare Erörterung und Problemsensibilisierung.

Alois Stuhldreher

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