Die Stadtgespräche – ein Rückblick

„Was ist Stadt‑Gespräch“ in Hochdahl?

„Aus der Kirche austreten?“ „Warum eigentlich nicht? Ich habe schon lange mit diesem Laden nichts mehr am Hut. Und jetzt noch der Solidaritätszuschlag. An einer Ecke muß ich sparen“, . .

„Gesamtschule?“ ‑“Unmöglich!“. . .

„In den kath. Kindergarten kommt künftig nur ein Kind, dessen Eltern auch am Gemeindeleben aktiv teilnehmen.“ „Typisch Kirche. Sie grenzt aus, wenn es ihr paßt und versucht auf diese Weise die Leute bei der Stange zu halten.“ . . .

Worüber „man“ in der Stadt spricht ‑ da wird der Faden nicht so schnell abreißen. Die Fülle der strittigen Themen sorgt dafür, daß der einzelne sich kaum angemessen über ein Thema informieren kann. In der Regel kommt es zu einem Schlagabtausch in der Presse. Ein wirkliches Gespräch über die Fragen findet aber kaum noch statt.

Ein Gespräch verlangt die Fähigkeit zuzuhören und die Bereitschaft, die Meinung des anderen möglichst unvoreingenommen zu prüfen, sich Argumenten zu öffnen und die eigene Entscheidung erst nach der Auseinandersetzung mit anderen Standpunkten zu treffen.

Das steckt hinter der Idee „Stadtgespräche im Haus der Kirchen“ ‑ für die Bürger auf dem Markt ‑ Idee einer Gruppe aus der evgl. und der kath. Hochdahler Gemeinde: Die Möglichkeit, zu aktuellen gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und kirchlichen Problemen unterschiedliche Standpunkte und ihre sachliche Grundlage kennenzulernen und sich im Gespräch auseinanderzusetzen.

Die „Stadtgespräche im Haus der Kirchen“ sollen in unregelmäßigen Abständen samstagmorgens stattfinden, dann, wenn viele Menschen auf dem Markt sind. Fachleute und/oder Betroffene sollen unter Leitung eines Moderators über das anstehende Problem informieren und ein kontroverses Gespräch führen, in das sich das Publikum natürlich mit kritischen und neuen Gedanken einmischen soll.

Das erste Stadtgespräch war am 11. Februar. Es ging um das „heiße Eisen“ Gesamtschule. Pädagogen waren eingeladen, die die pädagogischen Argumente liefern sollten, für und gegen die Gesamtschule. Und Leute von der politischen Ebene, ebenfalls Pro und Contra. Moderator war Jörg Schönenborn aus unserer Gemeinde, der als Journalist beim WDR tätig ist. Wegen Überfüllung des Foyers konnten nicht alle Interessierten Einlaß finden. Insofern sicher ein guter Start. Die Beiträge der Pro‑ und Contra‑Leute waren nicht so informativ, wie ich es mir gewünscht hätte. Statt dessen wurden auf allen Seiten wieder die Emotionen „hochgekocht“. Da waren Leute, die sich Augen und Ohren zuhielten, um die Wirklichkeit nicht wahrnehmen zu müssen, die aber gleichzeitig mit aufgeblasenen Backen den einmal gewonnenen Glauben propagierten. Kreuzzugsmentalität auf allen Seiten. Die „neue Streitkultur“, wie die Vorbereitungsgruppe sie sich vorgestellt hatte, war das noch nicht. Viele waren da, um ihre eigene (längst feste) Meinung loszuwerden oder um sie doch wenigstens bestätigt zu bekommen. Hören, zuhören und dabei vielleicht doch noch Neues zu lernen und die eigene Meinung so noch zu verändern ‑ das war

wohl eher die Ausnahme. Das ist ja auch schwer! Schon im Vorfeld gab es Briefe und Anrufe: „Wenn der mitmacht, dann komme ich nicht“. „Wie können Sie nur. . .“ Keine Chance! Nicht für den im Podium Beteiligten, aber auch nicht für den Anrufer! ‑ Nach dem „Stadtgespräch“ standen viele noch in kleinen Gruppen zusammen möglich, daß da noch Veränderungen passiert sind. Jedenfalls war es gut, das Stadtgespräch anzufangen, und das Haus der Kirchen am Markt ist der richtige Ort dafür. Was für eine Chance auch für unsere Stadt!
Haben Sie eine Idee für ein künftiges Stadtgespräch? Es müssen keine“ Fachleute“ von draußen sein. In Hochdahl wohnen so viele kompetente Leute, die nur noch entdeckt werden müssen. Übrigens: Honorare für die Teilnahme werden nicht gezahlt! ‑ Themenvorschläge können Sie einfach im Pfarrbüro (Tel.: 4 04 38) hinterlegen. Sie kommen dann schon an die Vorbereitungsgruppe der beiden Kirchengemeinden.

Gerd Verhoeven

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