Hallo, Neubürger…

Flyer_Willkommen_Franziskus_18

Die Zahl der Menschen, die in Hochdahl zuziehen, ist nicht mehr so hoch wie früher, aber immer noch werden jährlich viele Begrüßungsbriefe verschickt.

Im folgenden begrüßt ein ehemaliger Neubürger den Neubürger von heute und erzählt etwas davon, wie es damals (so um 1970) und in der Zwischenzeit hier aussah:

Willkommen in der Neuen Stadt! Neue Stadt? Ja, so stand es damals im Prospekt, der uns von Düsseldorf nach Hochdahl lockte. Raus aus der Großstadt. Rein ins idyllische Hügelland, Ruhe. Frische Luft. Den Wald vor der Tür. Die Autobahn im Hinterhof. Und der Flugplatz war nicht weit.

Nun, Stadt ist Hochdahl nie geworden. Es kam die kommunale Neugliederung. Gemeinden wurden hin und hergeschoben. Alt Erkrath verlor Unterbach. Der Rest tat sich mit Hochdahl und Unterfeldhaus zusammen. Es entstand das heutige Erkrath.

All diese Turbulenzen waren noch Zukunft, als vor jetzt einem Vierteljahrhundert viele junge Familien voll Tatendrang nach Hochdahl zogen, Ärmel wurden aufgekrempelt, Gärten bepflanzt. Neue Vereine gegründet. Da störte es wenig, daß sich die Flachdächer mancher Häuser unter der Last der Hypotheken bogen.

Die Altstadt in Düsseldorf kannten die meisten der Zugezogenen. Aber kaum einer wußte, daß die Hochdahler Eisenbahnsteige einmal berühmter war als die von Geislingen, daß es hier zuvor ein Stahlwerk gab, dessen Direktor Schimmelbusch hieß, daß hier die Familie Bayer ihre Villa im Park hatte, daß der wohlhabende Düsseldorfer vor 100 Jahren und mehr nach Millrath in die Sommerfrische fuhr und mit hiesigem Quellwasser kurte.

Aber man orientierte sich. Geschäfte gab’s nur vereinzelt und zu enge Schulen, Kindergartenplätze kaum. „Wir melden unsere Kinder an, bevor sie geboren sind“, hieß es lakonisch, wenn man Altbürger fragte. Die S Bahn war noch ein ferner Traum. Hochdahl war Schlafstadt.

Samstags und sonntags läuteten Glocken. Zwei Kirchtürme zeigten religiöses Leben. Der einen Kirche gab der evangelische Kirchenlieddichter Neander den Namen. Das Tal gleichen Namens ist ja nicht weit. Und St. Franziskus in Trills, katholisch, Backsteingotik, letztes Jahrhundert.

Kaum einer der Neuen dachte daran, daß sein Haus dort stand, wo vormals auf Wiesen das Vieh der Alteingesessenen graste und Korn auf Felder dem Herbst entgegenreifte. Danach waren dort Drachen aufgestiegen und hatten ihre Kraft mit dem Herbstwind gemessen.

Alt und Neu vermengte sich. Schulen wurden gebaut und Kindergärten. Die Kirchengemeinde entwickelte ein ganz neues Leben. Das II. Vatikanische Konzil war ja erst gerade beendet. Die Priester zelebrierten die Messe den Gläubigen zugewandt. Das elitäre Latein entfiel. Die Kirche sprach plötzlich in einer Sprache, die die Menschen verstanden.

Das „Oben“ und „Unten“ in der Gemeindehierarchie hob sich auf. Bernd Staßen und Gerd Verhoeven, zwei Pfarrer, die diesen Titel bewußt nicht im Namen führen, kamen nach Hochdahl. Es bildeten sich Vorbereitungskreise für Kinder- und Jugendgottesdienste, Gruppen zur Vorbereitung auf Taufe, Kommunion und Firmung. Zum Kirchenvorstand kam ein Pfarrgemeinderat hinzu. Und eine neue Kirche wurde gebaut: Heilig Geist.

Ja, und der Geist wehte auch über der Ökumene. Nicht nur, weil die katholische Gemeinde seit jeher im evangelischen Paul Schneider Haus Messe feierte. Da wurde auch konkret am gemeinsamen Haus „Kirche“ gebaut. Am Hochdahler Markt entstand das „Haus der Kirchen“. Nicht, daß der dreieckige Bau der Dreifaltigkeit nachgebildet wäre. Der Grundriß hat eine ganz irdische Ursache: Es war nur noch diese Parzelle zu haben.

Im „Haus der Kirchen“ sind die Pfarrbüros, ein Eine Welt Laden, das Kirchen Café und ein „Raum der Stille“, in dem jede und jeder, auch mit Einkaufstüten Beladene, einen Moment Ruhe findet.

Übrigens: Offenheit gehörte seit jeher zum Wesen der neuen Gemeinde. Nur, die Neusiedler von damals sind heute so neu nicht mehr. Die Kinder sind junge Erwachsene, die dort leben, wo sie Arbeit und ihre Liebe gefunden haben.

Und so stellt sich in einigen Stadtteilen die Alterspyramide mehr und mehr auf den Kopf. Doch schon schließen sich häßliche Baulücken, und zugegeben ehemals schöne Wiesen und Felder tragen längst hohe und niedrige Häuser, in denen nun wieder „die Neubürger“ leben.

Sie alle sind in der Gemeinde herzlich willkommen. Die „Althochdahler“ ziehen im Herbst gern vor die Stadt, wenn sie mit ihren Enkeln wieder die Drachen steigen lassen.

Vielleicht trifft man sich dort. Oder in einer der Kirchen. Oder auf einem Pfarrfest. Wir freuen uns, daß Sie hier bei uns sind, Und vergessen Sie nie, was Sie auch immer über „Kirche“ lesen und hören, ob es Sie ganz persönlich betrifft oder nicht: Gemeinde ist für alle da.

H. Asbeck

Zurück