Wagt euch zu den Ufern – Sechs Schritte in die Freiheit

Im Herbst 2011 war es wieder soweit: der Projektchor präsentierte sein neues Stück „Wagt euch zu den Ufern“ in der voll besetzten Heilig Geist Kirche in Hochdahl.

Gedanken zu diesem Stück:


Auf dem Weg
durch die Wüste
Ein neues Stück entsteht

Mit der einmaligen Aufführung des Stückes „…dass noch tausend und ein Morgen wird“
zum Abschied unseres langjährigen geistlichen und musikalischen Leiters Pfarrer Bernd Staßen
sollte für den Projektchor der Franziskusgemeinde Hochdahl nicht alles zu Ende sein.
Das war im Jahr 2007. Eine kleine Gruppe von Leuten aus dem Chor setzte sich regelmäßig
zusammen und suchte Stoff für ein neues Stück. Wir hörten Werke von Gregor Linßen,
von Hans-Jürgen Hufeisen, besuchten Konzerte, hörten Alternativen auf CD und stellten dabei
fest, dass wir den eigentlichen Stoff für eine neue musikalische Aufgabe so schnell nicht finden
würden. Hilfreich für den Findungsprozess war dann ein Bibliodrama, zu dem wir den
Gemeindereferenten Detlef Tappen zu uns gebeten hatten. Im Pfarrsaal Heilig-Geist
wanderte er mit uns durch die Wüste, half, den Standort des Chores zu überprüfen.

Befreiung aus Sklaverei
Und irgendwann war es dann die Geschichte des Volkes Israel von der Befreiung aus der
Sklaverei und dem Auszug aus Ägypten, die uns immer intensiver beschäftigte. Wir lasen
Bibelstellen, vertieften uns in historische Zusammenhänge, in die Zeit der Babylonischen
Gefangenschaft und ließen uns von Jörg Zink und seinen „Sechs Schritten in die Freiheit“ an
die Hand nehmen. Der Inhalt war gefunden. Die Regie-Gruppe setzte sich wieder zusammen,
entwickelte eine Struktur für das neue Stück und Ute Dick fasste die Gedanken zu
einem Konzept mit Zwischentexten zusammen.

Schlager bis Klassik
Und die Musik? Die suchten wir uns zu den Inhalten. Bekannte, teilweise neu arrangierte
Gemeindelieder zum Mitsingen ebenso wie Chöre und Solostücke aus klassischer Literatur.
So ist der „Gefangenenchor“ aus der Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi zu hören, wenn
die innere Stimme der Sehnsucht übermächtig wird und der Triumph-Marsch aus Verdis
„Aida“, wenn wir glauben, endlich zu wissen, von wo wir unser Heil erwarten können. Das
„Halleluja“ von G.F. Händel am Ich-Altar wird zur Anbetung eines falschen Gottes. Leiden in
Resignation greift der Schlager „Brennend heißer Wüstensand“ von Freddy Quinn auf.
Außerdem gehören zum musikalischen Mosaik Stücke aus der „Schöpfung“ (Haydn), dem
„Elias“ (Mendelssohn) sowie dem „Messias“ (Händel).

Proben mit Korrepetitor
Nach einer einjährigen Vorbereitungsphase suchten wir Sängerinnen und Sänger, die den
Mittwochabend erneut mit Leben füllen. Die musikalische Leitung hat wieder Simon Görtz
übernommen und alle anderen der etwa 20 Chormitglieder übernehmen immer da
Leitungsfunktionen, wo ihre unterschiedlichen Fähigkeiten gebraucht werden.
Unseren „Beratervertrag“ mit Bernd Staßen haben wir dann nach mehreren Jahren Pause
wieder aktiviert. Einige klassische Stücke waren einfach nicht von jemand anderem zu begleiten.
Nach reiflicher Überlegung erklärte er sich bereit, die Rolle des Korrepetitors am Klavier zu
übernehmen. In Absprache mit Simon Görtz übernahm er Probenteile und kam immer dann
mittwochs dazu, wenn Klassik geprobt wurde. Ein Klavierspielverbot für Bernd Staßen von
Seiten des Erzbistums hatte unsere Probenmöglichkeiten über mehrere Wochen in
Hochdahl eingeschränkt, so dass wir zeitweise Proben nach Knittkuhl verlegten. Erst nach
einem Gespräch mit Pfarrer Christoph Biskupek konnte die Probenarbeit mit Bernd Staßen in
Hochdahl fortgesetzt werden. In der Zwischenzeit trommelte Simon Görtz alte und neue Bandmitglieder zusammen,
arrangierte die klassischen Stücke für die vorhandenen Instrumente, so dass sich Bernd
Staßen kurz vor der Aufführung aus der Begleitung verabschieden konnte.

Ermutigung im Glauben
Sechs Wochen vor dem geplanten Aufführungstermin ist es so, wie bei jedem vorherigen
Stück. Die Motivation ist hoch, jeder gibt sein Bestes, trotzdem wechseln die Gefühle von
„Das schaffen wir nie“ bis zu „Alles klappt super“. Der normale Wahnsinn – 30 Personen
auf gemeinsame Probentermine einzustimmen, Requisiten, Textheft, Fotos und Werbung
aus dem Nichts zu zaubern. Vor lauter Hektik gerät dann schnell in Vergessenheit,
was wir schon immer und bis zum heutigen Tag mit unseren Stücken erreichen
wollten: Für uns, die wir wieder viele Jahre investiert haben und für alle, die uns zuhören
werden, von unserem Glauben zu erzählen, zur Auseinandersetzung anzuregen, uns gegenseitig
zu ermutigen und gemeinsam unseren Glauben singend und spielend zu feiern – ein
Beitrag zur Verkündigung.

Monika Spanier, Ute Dick


Bleibt bei Eurer
Sehnsucht…

Bleibt wach – bleibt bei Eurer Sehnsucht – , so schreibt Jörg Zink in seiner Anleitung für
Schritte in die Freiheit.
Diese Aussage hat mich beim Lesen getroffen und trifft mich jedesmal neu, wenn ich sie
höre. Gleich zu Anfang des Stückes, im ersten Schritt, wird dieser Text gelesen.

Sehnsucht – wonach?
Einen Traum, wie wir uns unser Leben erhoffen und wünschen, haben oder hatten
wir doch alle:
• Geborgenheit erfahren
• dass Jemand da ist, wenn ich Angst habe
• verstanden zu werden
• zu spüren, dass ich angenommen bin
• in Offenheit und Vertrauen einander begegnen zu können

Und dann die Kehrseite. Auch das kennen wir alle. Unser Traum, unsere Hoffnung wird
enttäuscht.

Dann kommen die Ratschläge:
• So ist das Leben.
• Da kannst du nichts machen.
• Sieh zu, dass du was bist, dann hast du
zu sagen und zu bestimmen.
• Das Leben wird bestimmt von Geld und
Macht und den Starken.
• Gewöhn dich an die Realitäten des Lebens.

Wo bleiben dann unsere Träume? Wir haben mehrere Möglichkeiten. Wir können sie aufgeben
oder tief vergraben. Wir können uns den sogenannten „Realitäten“ anpassen.
Aber wirklich leben können wir davon nicht, das spüren wir immer wieder deutlich.

Wir können aber auch die Sehnsucht nach unseren Träumen wach halten. Die Sehnsucht
nach Freiheit, nach Offenheit und Vertrauen, Bleibt bei Eurer
Sehnsucht…
Bleibt wach – bleibt bei Eurer Sehnsucht – , so schreibt Jörg Zink in seiner Anleitung für
Schritte in die Freiheit.
Diese Aussage hat mich beim Lesen getroffen und trifft mich jedesmal neu, wenn ich sie
höre. Gleich zu Anfang des Stückes, im ersten Schritt, wird dieser Text gelesen.

Sehnsucht – wonach?
Einen Traum, wie wir uns unser Leben erhoffen und wünschen, haben oder hatten
wir doch alle:
• Geborgenheit erfahren
• dass Jemand da ist, wenn ich Angst habe
• verstanden zu werden
• zu spüren, dass ich angenommen bin
• in Offenheit und Vertrauen einander begegnen zu können
nach Weite, nach Glück scheint uns in unser Herz gelegt zu sein.

An den Bedingungen, in denen wir leben, können wir nicht viel ändern. Das macht oft
mutlos. Aber unsere Sehnsucht nach Freiheit und Glück, die können wir wach halten und
dann können wir es erleben hier und da:
• einander in Offenheit und Vertrauen
zu begegnen
• in unserer Angst spüren, dass wir
gehalten werden
• dass es noch viel mehr gibt, als ich bisher
erfahren habe
• dass es gut ist, dass es mich gibt und
die anderen

Wagt Euch zu den Ufern – den Ufern der Menschlichkeit – damit unsere Träume wachsen
können.
Bleibt wach – bleibt bei Eurer Sehnsucht.

Hildegard Mücke

Zurück