Vor welchen Altären knien wir?

-aus „Schöpfung“ und „Elijas“ –

Vor welchen Altären knien wir?
-Geld?
-Konsum?
-Automarke?
-Handy?
-Aktien?
-Karriere?
-Wellness?
-Fun?
-Events?
-Urlaubshappening?
-Sport?
-„Stars“?
-Fernsehserien?
-Medien?
-Worldwideweb?
-Versicherungen für und gegen alles?

Was wird uns nicht alles als „Sinn des Lebens“ angeboten?
Auf welche toten Handlungen fallen wir nicht immer wieder herein?

Was gibt uns wirklich einen Sinn?
Worauf kann ich mich ernsthaft in Leben und Sterben verlassen?

Die Bibel stellt sich der Frage immer wieder und findet im Glauben an den einen Gott die Antwort.
So z.B. in der ersten Schöpfungserzählung, die sich gegen den Kult der Babylonier absetzt, sowie in der Erzählung von dem Propheten Elija, der gegen den „Baals-Kult“ angeht.

In der Hochdahler Gemeinde wurde dies durch Projektchöre aufgearbeitet, welche „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn und Auszüge aus dem „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy „aufführten“. Keine Aufführungen im klassischen Sinne, sondern neben der musikalischen immer auch eine inhaltliche Erarbeitung und szenische Darbietung.

 

Zur „Schöpfung“:
Vielleicht doch lieber an den Altären …?
Da war ordentlich was los ‑ damals im alten Babylonien. In den Gottesdiensten keine Langeweile, kein Frust ‑ ganz im Gegenteil: Prozessionen, Feiern, was für Herz und Gemüt, und in Massen ‑ da fühlte man sich so richtig aufgehoben ‑ jeder hatte sein „Bad in der Menge“. Und die Kirchenbauten ‑ Verzeihung, der Tempelturm ‑riesig, begeisternd, bedrohlich. Zwar sprengten solche Bauten die Finanzkraft des Staates ‑ aber die Verehrung von Sonne, Mond und Sternen mußte man sich ja schließlich was kosten lassen. Und das Gefühl, dazuzugehören, im Kult der Gestirne geborgen zu sein, entschuldigte ja schließlich für alle Opfer. Manchmal ging der Kult allerdings auch an die Substanz: wenn man seinen Erstgeborenen, sein Liebstes, opfern mußte ‑ beim Bau des neuen Hauses ‑ eingemauert in die Fundamente ‑da gab’s wohl doch Trauer und Leid und Zweifel und Fragen. Aber das war ihnen immer wieder gesagt worden: dafür würden die Götter ihnen gnädig sein, das Leben im Haus schützen und behüten.

Und die Israeliten am Fluß Kebar, diese Verbannten aus Palästina und Jerusalem ‑ sie schauten mit großen Augen auf die ungewohnten Bilder dieser prunkvollen Gottesverehrung. Ihnen war so manches abhanden gekommen: die Heimat, der Kult im Jerusalemer Tempel, die gewohnten Texte und Gesänge. Trauer, Unsicherheit, Zweifel, Orientierungslosigkeit! Und dann machten einzelne (und dann immer mehr) mit bei den babylonischen Festen. Es war so verständlich: sie suchten ein bißchen Freude und Trost und Sicherheit; einen Ausgleich, einen Halt in ihrer trostlosen Situation. Vielleicht wollten sie wirklich ihrem Gott Jahwe treu bleiben ‑ unterwegs haben sie ihn einfach nur verloren ‑ fast unbemerkt wurde er beiseite geschoben von den Göttern der Babylonier, von Sonne, Mond und Sternen. Denn man muß ja doch irgendwie überleben!

Irgendwer muß damals die Gefahr erkannt haben. Irgendwer muß sich der Verführung durch die scheinbaren neuen Möglichkeiten widersetzt haben. Und ebenso schön wie deutlich formuliert er die Alternative ‑ in einer strophischen Erzählung über das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Heute nennen wir dieses „Gedicht“ die erste Schöpfungserzählung.

Der Ursprung von allem, die Mitte der ganzen Welt ist Gott ‑ ihr Gott Jahwe hat alles geschaffen. Und nicht die dämonischen Mächte, vor denen sie alle so viel Angst hatten, bestimmen die Welt ‑ Chaos, Finsternis, Flut. Mit einem Wort weist dieser Gott alle widerstrebenden Mächte in die Schranken, mit machtvollem Wort hält und bewahrt er die Welt. Und Sonne, Mond und Sterne sind keine Götter ‑ sie sind Lampen , die der schaffende Gott an den Himmel gehängt hat. Und der Mensch ist nicht das „geworfene“, hilflose, ausgesetzte Wesen, sondern er ist das Bild dieses Gottes, das Zeichen seiner Gegenwart in dieser Welt.

Kann man daran glauben? Hat man denn davon irgendeine Hilfe für das tägliche Leben? Dieselbe Frage damals und heute!

Was läßt mich leben? Ein gutes Auskommen, Ansehen, Ehre? Und wenn ich nicht gegen alle Risiken des Lebens doppelt und dreifach versichert bin, schlägt dann die Existenzangst unkontrolliert durch? Suche ich die große Schau? Auftritt, das große Ereignis? Anerkennung, gesellschaftliche Rolle, Resonanz in der Presse?

Glaube an Gott ‑ schön und gut, aber welchen Göttern diene ich wirklich?

Oder genügt Ihnen ‑ z. B. wenn Sie sich Haydns „Schöpfung“ anhören ‑ die Botschaft: diese Welt ist in der Hand Gottes, denn Gott hat sie geschaffen? Genügt Ihnen diese Botschaft ‑ gesprochen, gesungen, gespielt ‑ ohne Requisiten, ohne Pose, ohne falsches Pathos (hoffentlich) – von Menschen, die die Angst vor sich selber und vor einander und vor dem Publikum verloren haben (hoffentlich) ‑ einfach weil es schön ist, an diesen Schöpfer‑Gott zu glauben?

Oder möchten Sie vielleicht doch lieber an den „Altären“ niederknien?

B. S

 

Erläuterung zum Bild und zum „Elias“:
Der Altar des Baal

Ein Tisch, der eigentlich ein Aktenregal ist, den Altar. Auf dem Altar‑Tisch ist ein Monitor aufgestellt, der verschiedene Sequenzen der Themen: Sport, Versicherungen, Aktien, Wellness, Medien, Events etc. zeigt. Der Altar ist mit einer Lichtrosette und einem Lichtschlauch, wie man sie aus der Weihnachtsdekoration kennt, geschmückt.
„Der Altar des Baal“ wird von den Baals‑Priestern in der Szene um das Feuerwunder am Berg Carmel mitgeführt. Der Altar repräsentiert, was uns als „Sinn des Lebens“ verkauft wird, an die Stelle Gottes gesetzt, aber unser Leben leer lässt. Mit dem „Altar des Baal“ wird das Wunder der Begeisterung und des Mitempfindens mit unseren Mitmenschen, Pfingsten, als „Event“ beschrieben, angeblich vorhersehbar, machbar unorganisierbar. Eine Anbetungsmaschine, die kontrollierbare Ergebnisse des Konsums liefert. Eine Maschine, die man nach Bedarf an‑ und abstellt.
„Der Altar des Baal“ stellt keinen exotischen Kult dar, der mit fremden Verheißungen verführt, sondern, alle Elemente sind uns vertraut und von unserer Kultur gemacht. Aus dem Kontext der Messe werden sie in den der Kirmes überführt. Selbst die Hörner auf dem Dach des Aufsatzes können noch im Pfingstochsen wiedergefunden werden.,

Désirée Astor

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