Gedanken zur christlichen Erziehung

Gedanken des PGR über christliche Erziehung –
oder: die Sorge wie es weiter geht

Liebe Gemeindemitglieder in Hochdahl!

Der Pfarrgemeinderat möchte sich an alle katholischen Christen in Hochdahl wenden, um einiges von seinen Sorgen und Überlegungen weiterzugeben.

Wenn Sie zu den „braven“ Gemeindemitgliedern gehören, die regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besuchen oder gar aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, sind Sie nicht unser vornehmlicher Ansprechpartner ‑ aber legen Sie den Brief nicht gleich beiseite, er ist auch für Sie gedacht.

In erster Linie wenden wir uns an diejenigen, die nicht so eng mit der Gemeinde am Ort verbunden sind ‑ aus weichen Gründen auch immer. Vielleicht sind Sie durch Beruf, Familie, Sorgen und außerberufliche Aktivitäten so sehr belegt, daß das Religiöse daneben nicht mehr viel Platz hat, Vielleicht ist der Glaube für Sie voller Probleme, vor denen Sie kapituliert haben. Vielleicht liegt auch das religiöse Leben einer Gemeinde völlig außerhalb ihrer persönlichen Erfahrungen, weil Sie in Ihrer Kindheit und Jugend weniger aus Ihren Kirchenkontakten als aus anderen Bereichen Impulse bezogen haben. Vielleicht leben Sie auch mit der Kirche, und wie sie sich nach außen für Sie darstellt, auf dem Kriegsfuß.

Wahrscheinlich haben Sie spätestens jetzt den Verdacht, daß wir Sie „bekehren“ und mit Ihnen unsere Gottesdienste auffüllen wollen. Wir sind aber realistisch genug zu wissen, daß die Zeit der Volkskirche und des katholischen Milieus mit all seinem gesellschaftlichen Druck endgültig vorbei ist. Wir wissen auch um die schleichende Wirkung, die von vielen Meinungsmachern ausgeht, die Glauben und Glaubenspraxis als unmodern darstellen und lächerlich zu machen versuchen. Die brechend vollen Kirchen gehören der Vergangenheit an. ***Im übrigen sind unsere sieben Gottesdienste am Wochenende Gott sei Dank wirklich gut besucht.

Was uns umtreibt, ist die Sorge, wie es weitergeht.

Auch unverbesserlichen Optimisten (die wir sind) durfte nicht verborgen geblieben sein, daß die jüngere Generation ihre Bindungen an Kirche und Glaubenspraxis weitgehend gekappt hat. Es wird viel über die Sinnsuche der Jugend geschrieben. Das ist sicherlich eine zutreffende Beobachtung. Aber gleichzeitig ist die Jugend einem Jahrmarkt von Angeboten ausgesetzt: Christliche Kirchen, fernöstliche Wiedergeburts‑Religionen, Esoterik, Islam, Sekten in allen Schattierungen und Graden der Einvernahme, Okkultismus und so weiter. Dazu kommen die vielen, die der Jugend kurzfristige Ziele wie berufliche Karriere oder Ansammlung von Vermögen als einzigen Lebenssinn einreden wollen.

Die Pluralität der Wertsysteme und Meinungen zuzulassen und gegenseitige Toleranz zu üben, ist unentbehrlich für unser Zusammenleben im demokratischen Rechtsstaat, Wir müssen gleichzeitig aber die Gefahr sehen, daß dadurch leicht eine Haltung gefördert wird, die die Beliebigkeit zum Prinzip macht. Wenn aber alles egal ist („Hauptsache, ich glaube an irgendetwas“), dann stricke ich mir letztlich mein Bild von Welt und Jenseits selbst und wechsele es allzuleicht bei jeder Schwierigkeit. Jedes tiefere Sicheinlassen ‑ in Freiheit ‑ auf Gott und jedes Aushalten der Konsequenzen kann durch eine solche Mentalität unendlich erschwert werden.

Erklärt sich so auch die nachlassende Bereitschaft zu Bindungen und zur Identifikation mit der Kirche? Aber nur die Kirche Christi, zu der alle gehören die sich auf ihn einlassen, kann seine Botschaft weitertragen.

Wir wollen nicht schwarzmalen. Wir bauen darauf, daß unser Glaube für alle Generationen so attraktiv ist wie eh und je. Es ist der Glaube an den einen liebenden Gott, den Vater Jesu Christi, der uns erschaffen hat und uns trägt durch unsere Zeit, und der uns in Ewigkeit nicht verlassen wird. Wir bauen darauf, daß auch Sie in Ihrem Leben erfahren haben, daß dieser Glauben wichtiger Halt ist ‑ und Quelle des Glücks.

Das ermutigt uns, Sie anzusprechen und Sie um Hilfe zu bitten. Nur Sie können die Grundlage dafür legen, daß der christliche Glaube ‑ in Ihrer Familie ‑ weitergegeben wird.

Das erste und wichtigste, was wir Ihnen ans Herz legen wollen, ist der Mut zur religiösen Erziehung. Es kostet in der Tat Mut, vielleicht gegen alle Gewohnheit in der Familie von Gott zu sprechen und gegen Widerstände von innen und außen dazu zu stehen. Dabei geht es nicht in erster Linie um Moral, Verhaltensweisen und Gebräuche, sondern um die ganz einfachen Wahrheiten des Glaubens, vor allem, aber darum, Grundvertrauen und damit Sensibilität für den unendlichen, geheimnisvollen Gott zu wecken. Das können Sie, vielleicht besser als jeder Geistliche! Taufe, Erstkommunion, Firmung und Eheschließung sind im übrigen wesentliche Stationen, die Ihnen auch Kontakte zur Gemeinde und wichtige Hilfen vermitteln.

Erziehung ist immer auch das Aufzeigen eines Standpunkts. Ein solcher wird von der jüngeren Generation nur dann akzeptiert werden, wenn sie erlebt, daß ein ernstes Anliegen dahintersteht. Machen Sie daher deutlich, daß Ihr Glaube Ihnen wichtig ist, daß er für Ihr Leben unentbehrlich ist, auch wenn Sie ihn nicht ständig vor sich herumtragen! Und ‑ vielleicht ist das oft zu viel verlangt ‑ geben Sie Ihren Kindern eine gute Basis an Glaubenswissen mit ‑ nicht nur den Religionslehrern zuliebe, die über die verbreitete Unwissenheit die Haare raufen und den Untergang der christlichen Kultur kommen sehen!

Wir lassen Sie nicht allein. Wir bemühen uns in Hochdahl um eine offene Gemeinde, was heißt, daß jeder in seiner jeweiligen Befindlichkeit willkommen ist, ohne Sorge haben zu müssen, gleich vereinnahmt zu werden. Sprechen Sie die Geistlichen, den Pfarrgemeinderat oder ein Ihnen bekanntes Gemeindemitglied an, wenn Sie Hilfe brauchen. Sie werden, wenn Sie wollen, über diese Hilfe hinaus eine lebendige, moderne Gemeinde erleben, in der Sie vielleicht eine Zeitlang an irgendeiner Stelle mitmachen können.

Wir wissen, daß die Jugendarbeit in unserer Gemeinde noch intensiver gestaltet werden könnte. Können Sie sich vorstellen, daß Ihre Kinder in einer Gruppe mitmachen? Wir halten es für überaus wichtig, daß die jungen Leute, die es ohnehin schwer haben, ihren Glauben in einer religionslosen oder ‑feindlichen Umgebung zu bewahren und zu leben, im Kreise Gleichgesinnter Bestätigung erfahren und Kraft tanken können.

Ein zweites: Kirche, solange sie auf der Erde wirkt, ist immer angefochten ‑ zu Recht oder zu Unrecht ‑ und unbequem. Gerade heute vollzieht sich die verbreitete Abwendung von der Kirche unter oft übertriebenen und zum Teil gehässigen Schuldzuweisungen, die das öffentliche Klima weitgehend bestimmen und ein Bekenntnis zu Glaube und Kirche schwer machen. Helfen Sie uns, dagegenzuhalten ‑ im Beruf, unter Bekannten und Freunden? Unsere Erfahrung ist, daß man dann oft Bundesgenossen findet ‑ aber es kostet Mut!

Wir danken Ihnen, daß Sie unsere Sorgen und Überlegungen mitverfolgt haben, wie auch immer Sie dazu stehen. Lassen Sie sich unsere Anliegen noch einmal durch den Kopf gehen?

Mit diesem Wunsch grüßen wir Sie herzlich

Ihr Pfarrgemeinderat

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