Über das ehemalige Kloster „Maria Hilf“ in Trills

Das Kloster „Maria Hilf“ auf der Anhöhe oberhalb von Trills gehört zu den alten Wahrzeichen Hochdahls.
Seine Bewohnerinnen, Dominikanerinnen vom Arenberg, lösten im Herbst 1988 ihre Hochdahler Niederlassung auf. Damit endete eine Zusammenarbeit zwischen Kloster und Gemeinde, die 85 Jahre bestand.

Angefangen hatte alles in der Frühzeit der Hochdahler Gemeinde: Im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts stand Hochdahl ganz im Zeichen der Eisenverhüttung und Kalkgewinnung. Die rasche industrielle Entwicklung ließ die Einwohnerzahl steigen und brachte soziale Probleme mit sich. Das veranlaßte Rektor Wilhelm Dammer um die Jahrhundertwende bei den Dominikanerinnen vom Arenberg um Hilfe zu bitten.

Eine Urkunde aus dem Jahre 1903 weist aus, daß der „Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal‑Angelegenheiten“ eine Niederlassung der Dominikanerinnen in Bruchhausen‑Hochdahl genehmigte. Auch die Aufgaben der Schwestern waren darin festgelegt: ,Behufs der Ausübung der ambulanten Krankenpflege, . . . der Pflege und Unterweisung von Kindern katholischer Konfession, welche sich noch nicht im schulpflichtigen Alter befinden,“ und der Leitung einer Handarbeitsschule für katholische Mädchen“.

Im gleichen Jahr bezogen Schwester Ewalda, Schwester Yolanda und die Priorin Schwester Hyacintha ihr erstes Hochdahler Domizil, das Haus Hildener Straße 95, das heute noch gegenüber der Trillser Kirche steht. Aenne Kemperdick, heute 92 Jahre als, erinnert sich noch, wie sie mit einer Klassenkameradin zur Begrüßung der Schwestern ein Gedicht aufsagte.

Die drei Schwestern erwartete in Hochdahl ein dürftig ausgestattetes Provisorium. Über den Einzug heißt es in der Schwesternchronik: „Das Häuschen hatte nur ein Fenster in der Front und darunter ein Kellerloch … Die Ankömmlinge mögen darin eine erstaunlich getreue Nachahmung des alten Armutsideals erblickt haben, das ehedem das Leben der Religiosen beherrschte. An der Türe stand ein Jesuskind mit ausgebreiteten Armen und winkte einladend. Die Inneneinrichtung war weniger einladend. Wir sagen besser, daß überhaupt keine Inneneinrichtung da war … Dann begann eine rege, vom allmählich erwachten Hunger beschleunigte Kochtätigkeit. Diese aber wurde dadurch unlieb erschwert, daß es an Brennmaterial fehlte. Auch war die Küche gerade so groß, daß mit schwesterlicher Selbsteinschränkung die Eine an der Anderen vorbeischlüpfen konnte. In ihrer Not machten die Schwestern einen alten Petroleumofen dienstbar. Er rächte sich durch furchtbares Rauchen dafür, daß man ihn aus seiner wohlverdienten Altersruhe gerissen hatte.“

Ihre endgültige Heimstatt, die ehemalige Villa des Hüttenbesitzers Julius Schimmelbusch, bezogen die Schwestern dann 1907. In diesem Jahr vergrößerte sich die kleine Gemeinschaft auch um zwei Schwester. In späteren Jahren gab es mehrere Umbauten an dem Haus, unter anderem errichtete man eine Terrasse und eine Kapelle. Die Einweihung der Kapelle wurde sehr feierlich begangen. Auch eine Abordnung der Gemeinde nahm daran teil. Aenne Kemperdick weiß noch, wie ihr Vater ‑ dem besonderen Ereignis Rechnung tragend ‑ mit Zylinder zum Kloster ging.

Bevor der Kindergarten gebaut wurde, betreuten die Schwestern die Kinder in einem kleinen Raum, der zu der Kegelbahn hinter dem Vereinshaus gehörte. Der Nähunterricht fand nachmittags im Kloster statt. Die Aufgaben, so auch die Krankenbetreuung, teilten sich die Schwestern untereinander. Mit den Jahren wuchs die Niederlassung auf etwa 20 Schwestern.

Im Zweiten Weltkrieg entging das Kloster, wie die minutiös geführte Pfarrchronik ausweist, nur knapp der Zerstörung. Der damalige Pfarrer Karl Faßbender schrieb: Am Morgen des 16. April 1945 treten die Amerikaner zum Angriff auf die Linie Soligen‑Hilden an und tasten mit schwerem Flackfeuer das Hintergelände ab. Dabei fällt auch der erste Schuß auf das Gemeindegebiet, und zwar krepiert eine Langrohrgranate auf dem Wege zwischen dem Kloster „Maria Hilf“ und dem Gut Clef, wobei das Dach des Pfarrhauses beschädigt wurde.“

Auch nach Kriegsende teilten die Bewohner des Klosters das Schicksal der Gemeinde: Russische Soldaten aus aufgelösten Gefangenenlagern in der Umgebung überfielen Gehöfte und verbreiteten Schrecken in der ganzen Gegend. Auch das Kloster wurde überfallen und beraubt. Dem damaligen Hausgeistlichen, so Aenne Kemperdick, habe man Geld und die Armbanduhr abgenommen.

Sie erinnert sich auch, daß über viele Jahre das Kloster jeden Sommer Logiergäste aufnahm. Mit dem Pensionsbetrieb verdienten die Schwestern Geld für ihren Lebensunterhalt. Häufig waren auch Ordensschwestern zu Gast, die sich in der Hochdahler Sommerfrische erholen sollten ‑ darunter auch Schwestern auf Heimaturlaub, die in der Missionsstation der Dominikanerinnen in Bolivien arbeiteten.

Ein Begriff waren die Schwestern vor allem für Kinder und die älteren und kranken Gemeindemitglieder. Ganze Generationen kleiner Hochdahler wurden von den Schwester betreut, auch noch, als die Leitung des Kindergartens von Erzieherinnen übernommen wurde. 27 Jahren arbeitete Schwester Kuniberta im Kindergarten, ebensolange war sie in „Maria Hilf“. Sie organisierte vor Jahren den „Fahrdienst“ mit, der Kinder von zuhause abholt, und machte auch noch selbst den Führerschein, um sie durch Hochdahl zu kutschieren.

Um die ambulante Krankenpflege kümmerte sich viele Jahre Schwester Cordelia, die in diesem Jahr ihr goldenes Ordensjubiläum feierte. Man konnte sie häufig in Hochdahl treffen ‑ immer unterwegs von einem Patientenbesuch zum nächsten.

In den letzten Jahren des Bestehens war es ein bißchen ruhiger um das Kloster geworden. Bis auf wenige waren es vor allem alte und kranke Schwestern, die ihren Ruhestand in der Hochdahler Niederlassung des Ordens verbrachten.

Jona Teichmann

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