Weltjugendtag in Hochdahl

Erinnerungen an den Weltjugendtag 2005 in Hochdahl
– und die Reaktionen auf den Flugzeugabsturz über Martinique

Kürzlich wurde ich gefragt, ob ich denn nicht etwas über den Flugzeugabsturz über Martinique während des letzten Weltjugendtages schreiben könnte. Zu der Zeit war ich Mitglied im lokalen Kernteam und am Tag des Unglücks gerade in der Heilig-Geist Kirche. Wir hatten die Gruppe aus Martinique zu Besuch um gemeinsam Gottesdienst zu feiern.
Als ich wegen dem Text gefragt wurde, erinnere ich mich sehr genau an die Szenen, die sich abspielten, als sich die Nachricht vom Absturz langsam verbreitete.
Es konnte zunächst niemand glauben, mir selbst dämmerte die Schwere der Situation noch nicht, als ich in der Sakristei stand und die Leute darüber reden hörte.
Ich war eher mit dem Treiben um uns beschäftigt, musste noch was erledigen und ging deshalb nach draußen.
Ich sehe immer noch das vor mir, was sich dort abspielte, die Erinnerung ist eine meiner deutlichsten.
Es hatten sich überall auf dem Hof Menschentrauben gebildet und ich hörte Geräusche, die ich zunächst nicht zuordnen konnte. Vor mir sah ich einen jungen Mann aus Martinique, der schrie, weinte. Er musste von Helfern getragen werden, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Dieser Mann hatte bei dem Absturz seine halbe Familie verloren.
So wie ihm ging es auch anderen.
Die Erinnerung der Hilflosigkeit, der Fassungslosigkeit und des Mitgefühls ist eine ebenso starke Erinnerung wie alle angenehmen Erlebnisse in diese Woche. Eigentlich war es diese Erfahrung, die mehr als alles andere gezeigt hat, wie nahe wir uns eigentlich sind. In diesem Augenblick konnte sich keiner umdrehen und gehen, die Tränen der anderen fühlte man selber und es wurde einem bewusst, wie nahe Freude und totaler Zusammenbruch beieinander liegen. Ich hätte solch eine Erkenntnis früher als sehr sentimental abgetan, aber es fällt mir schwer es anders auszudrücken. Wir haben doch alle Menschen, die einem wichtig sind und die Tatsache, dass wir doch alle sterblich sind, wurde mir damals sehr deutlich. Ich glaube, dass die Gemeinschaft, die wir da gebildet haben, meinem Verständnis von gemeinsamen Glauben nahe kommt. Das diese Gemeinschaft wichtig sei, wird ja immer betont und es ging mir manchmal schon ein bisschen auf die Nerven, da es nur leere Worte zu sein schienen. Da denke ich jetzt anders drüber, weil Gemeinschaft Stärke schafft. Hilft wahrscheinlich erst einmal nicht direkt den Opfern, es ist keine Entschädigung für den Verlust, aber ein Zeichen, das vielleicht trösten könnte.
Trotz allem habe ich mich damals gefragt, wie wir im Gottesdienst wohl drauf reagieren würden und den „richtigen Ton“ treffen würden.
Aber ich wurde überrascht, es kamen weder vor Mitleid triefende Ansprachen, noch wurde das Thema ignoriert.
Schon während des Gottesdienstes war die Stimmung sehr intensiv, jeder war irgendwie für sich und wir alle waren irgendwie zusammen.
Am Ende wurden schlichte Worte gesagt, nichts wurde überspielt, vielleicht war es einfach ehrliches Mitgefühl, was jeder von uns empfand.
Auch nach dem Gottesdienst blieben noch viele in der Kirche, manche im Gespräch, viele im Gebet.
Ich hoffe, nicht zu sentimental zu klingen, denn das ist nicht beabsichtigt.
Diese Erinnerung ist, um abzuschließen, meine schönste, weil sie die ehrlichste ist und besser als Worte den Glauben zeigt.

Mareike Hettrich

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